Näherstille - Mehr als 400 Gäste feierten das fünfte Sommerfest im Ortsteil Näherstille. Höhepunkt war der Festgottesdienst. Pfarrer Heiko Ackermann würde sich freuen, wenn jeden Sonntag zum Gottesdienst 120 Menschen kommen würden. So nutzte er die Gelegenheit, um auf eine Sache aufmerksam zu machen, die den ganzen Ortsteil betrifft und eine wichtige Rolle in der Kirche spielt - die Kirchenglocke. Der laienspielbegeisterte Pfarrer schlüpfte in die Rolle der Glocke und hielt die Predigt im Dialog mit Pfarrer i. R. Eckard Simon.
Der Klang sei ganz schön scheppernd und ein Näherstiller, der sonntags immer mit dem Fahrrad zum Gottesdienst kommt, meinte, die Glocke höre sich schlimmer an als ein Schiffsglöckchen. Am schlimmsten sei es gewesen, als im Frühjahr der Kirchsaal renoviert wurde. Da habe die Glocke gar falsch geschlagen. 1842 wurde die Glocke in der Glockengießerwerkstatt Bittorf in Seligenthal gegossen. Kunstgeschichtlich wertvoll, weil es aus dieser Gießerei nicht mehr viele Glocken gibt. In den Weltkriegen blieb sie verschont. Aber nur, weil sie mit 70 Kilo einfach nicht schwer genug war, um für Kanonen eingeschmolzen zu werden. Auf der Kirchenglocke stehen die Namen der wichtigsten Bürger von Näherstille vor 168 Jahren: Bürgermeister Köhl, Schullehrer Schindehütte und die Kirchenväter Nennstiel und Jung. Weiter trägt die Glocke die Inschrift "Der Herr erhöre uns".
Nach der Renovierung des Kirchsaales könnte sich die Kirchengemeinde mit Unterstützung des ganzen Dorfes darum kümmern, der Glocke wieder zu einem schönen Klang zu verhelfen, schlugen die beiden Pfarrer vor. Jeder Gottesdienstbesucher bekam ein kleines Glöckchen, mit dem der Wohlklang ausprobiert wurde. Das kleine Souvenir soll die Aktion für die Glocke unterstützen.
"Das Sommerfest ist unser kleiner Kirmesersatz", sagt Pfarrer Ackermann. Seit einigen Jahren gibt es das traditionelle Dorffest nicht mehr. Es war durch deftigen Sonntagsbraten und lockere Klöße besonders beliebt. Die 25 jungen Leute um Christian Kössel, die das Sommerfest organisierten, sorgten für eine würzige Gulaschsuppe, die reißenden Absatz fand.
Zuvor hatten sich die Näherstiller beim Frühschoppen mit den Musikverein Schmalkalden auf dem kleinen Parkplatz neben der Kirche getroffen. Am Nachmittag gab es eine Wiederholung des Theaterstücks "Aus Näherstiller Schultagen" von und mit Pfarrer Ackermann und vielen Akteuren aus dem Ort.
Christian Kössel war Leiter des Jugendclubs, der sich in der Trägerschaft der evangelischen Kirche befindet. Um jeden Abend dort abzuhängen, seien er und die meisten der Organisatoren des Sommerfestes schon "zu alt". Aber um die Feierkultur im Ort nicht ganz einschlafen zu lassen, setzten sie viel Energie und Ideen ein. Sie sorgten für Grillgut und Getränke, für die Kinder wurden ein Schminktisch eingerichtet und Spielgeräte herausgestellt. Es gab eine Disco für die Jüngeren und dann Schlager für alle. Auch ein Streich, von denen es auf Näherstiller Kirmesfeiern mehr als genug gab, fehlte nicht beim Sommerfest. Es verschwanden ein paar Fässer Bier. "Wir haben sie wieder bekommen", erklärten die Sommerfest-Organisatoren. Mehr war von ihnen dazu nicht zu erfahren.